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Heute hat im Naturhistorischen Museum in Wien die 21. GWUP Konferenz zum Thema „Fakt und Fiktion“ begonnen, und ich war zum 1. Mal dabei.

Im nun Folgenden, werde ich versuchen den heutigen Tag Revue passieren zu lassen. Dennoch sollte ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich zwischendurch auch mal meine eigene Meinung in das Geschriebene einfließen lasse, welche nicht zwangsläufig die Meinung der anderen Konferenzteilnehmer widerspiegeln muss.

Zunächst begrüßte uns der Gastgeber der heutigen Veranstaltung: Der Museumsdirektor des Naturhistorischen Museums, Dr. Christian Köberl. In seiner Rede (anfänglich gespickt mit Eigenwerbung zum Museum) ermahnte er die Teilnehmer sich stets vor Augen zu halten, dass man immer skeptisch bleiben soll, und zwar in jeder Hinsicht. Die Wissenschaft ist kein abgeschlossenes System, sondern höchst dynamisch. Zur Veranschaulichung verwies er auf den Streit, den Physiker und Geologen vor etwa 130 Jahre bezüglich des Alters der Erde ausfochten: Während die Geologen das Alter der Erde auf einige 100 Millionen Jahre schätzten, hielten die Physiker, allen voran Lord Kelvin, dies für unmöglich. Erst mit der Entdeckung der Radioaktivität durch Antoine Henri Becquerel konnte diese Kontroverse beiseite gelegt werden. Skeptisch sollten wir also auch uns gegenüber sein (so jedenfalls, habe ich seine Rede interpretiert).

Als nächstes ergriff Amardeo Serma, der Vorsitzende der GWUP, das Wort. Er wies darauf hin, dass dies wohl die größte GWUP Tagung der Vereinsgeschichte ist und stellte die Arbeit der GWUP den anwesenden Gästen im Kurzen vor (was wollen wir? was tun wir?). Er betonte, dass es vor dem Bestehen der GWUP zu den Themen des Paranormalen (u.a. Astrologie, UFOs, Verschwörungstheorien, Alternativmedizin, …) kaum Kritik gab. Erst mit dem Entstehen der GWUP wurden kritische Informationen den oben genannten Themen entgegengesetzt. Aber er machte auch sehr deutlich, dass das nicht die einzige Aufgabe der GWUP sein kann, denn viel wichtiger ist das Vermitteln der Mittel und Methodik der Wissenschaft bzw. die Förderung des kritischen Denkens, um selbst Behauptungen zu hinterfragen und zu überprüfen.

Ulrich Berger, der Präsident der „Gesellschaft für kritisches Denken“(GkD), begrüßte als Nächstes die anwesenden Gäste und war über den Andrang positiv überrascht (der Saal war so voll, dass Leute draußen warten mussten). Des Weiteren entmachtete er durch ein Zitat von Christian Köberl (zu finden hier) ein beliebtes Argument der Anhänger von Parawissenschaften: „Es gibt 100.000 Dinge zwischen Himmel und Erde, die wir uns nicht erklären können“. Die trockene, aber sehr treffende Antwort von Christian Köberl im Interview war: „Vor hundert Jahren waren es 200.000 Dinge“ 🙂
Und mit diesen Worten begann dann auch der erste wirkliche „Vortrag“

Prof. Heinz Oberhummer hielt einen sehr enthusiastischen Vortrag mit dem Titel „Homöopathie für Schüttler“ (Letzteres ist wienerisch und bedeutet „Trottel“). Zunächst erklärte er kurz die drei Grundprinzipien der Homöopathie (welche sicherlich allen Lesern bekannt sind):

  • das simile Prinzip: like cures like
  • Potenzierung: je mehr eine Substanz verdünnt wird, umso besser wirkt sie
  • Dynamisierung: je mehr das Mittel geschüttelt wird, umso besser wirkt es
  • Als nächstes folgte dann der experimentelle Versuch (über welchen sich der pensionierte theoretische Physiker Heinz Oberhummer diebisch freute): Ziel war es ein C12 Mittel von Stroh 80 herzustellen. Zur besseren Veranschaulichung zeigte er auf der Leinwand bei jeder Verdünnung in welcher Wassermenge die gesamte Flasche Stroh 80 verdünnen werden müsste, um denselben Verdünnungsgrad zu erreichen: so wird für eine C2 Verdünnung der Schnaps in einem Tankwagen aufgelöst und für eine C12 Potenzierung müsste der Alkohol in einer Wasserkugel mit dem Volumen des Jupiters verdünnt werden. Homöopathen liefern aber sogar C74 Potenzierungen ab (und noch weit höhere), welches einer Schnapsflasche entspricht, verdünnt im einem Wasservolumen, welches dem gesamten sichtbaren Universum entspricht. Am Ende bezeichnete er dann die Homöopathen, als dumme Menschen.
    Und hier kommt nun auch gleich mal mein 1. Kritikpunkt: Die Veranstaltung war auch von mehreren Nicht-Skeptikern besucht. Solche Aussagen sind, meiner Meinung nach, viel zu aggressiv, um jemandem zu zeigen, dass er/sie sich auf dem Holzweg befindet. Solche Bemerkungen kann man sich auf einem öffentlichen Vortrag wirklich sparen. Überzeugen wird man damit niemand.
    Anschließend wurde die 1023 Aktion mit einigen Freiwilligen der GWUP wiederholt, welche sich eine Überdosis Globuli verabreichten.

    Prof. Heinz Oberhummer und Jörg Wipplinger (diewahrheit.at)

    Der nächste Vortragende war Alois Reutterer, der dem Publikum etwas über „Wassermythen“ erzählte. Hauptaugenmerk legte er in seinem Vortrag auf die beliebte Behauptung der Esoterikszene, dass Wasser ein Gedächtnis hat und auf Musik, Gefühle und Worte reagiert. Außerdem wird ja auch vielfach behauptet, dass Wasser durch Einsatz von gebeten, Kristallen, dem Vollmond, Verwirbelung, etc. „belebt“, „energetisiert“, „levitisiert“ und „vitalisiert“ werden kann. Die Wirklichkeit sieht aber ganz anders aus, denn Wasser ist eigentlich sehr vergesslich. Innerhalb einer Femtosekunde (10-15 Sekunden) zerfallen die Wasserstoffbrücken der Wassermoleküle und bauen sich erneut auf. Den Bock schießt aber Herr Grander mit seinem belebten Wasser ab (siehe z.B. hier). Alois Reutterer wies weiters darauf hin, dass man Granders Methode ganz offiziell als Scharlatanerie bezeichnen darf.

    Was ich gut fand, war die Erleuterung Reutters auf jene Aspekte der Homöopathie, die tatsächlich wirken (und welche man sich durchaus abschauen darf):

  • Die lange Anamnese
  • Die Ratschläge zur Lebensführung
  • Das Vertrauensverhältnis, welches zwischen Homöopath und Patient aufgebaut wird
  • Der Placeboeffekt
  • Ein weiterer Aspekt, der angeschnitten wurde waren Wünschelruten und die Behauptung, damit Erdstrahlen und Wasseradern finden zu können, welche angeblich Krankheiten verursachen. Um es kurz zu fassen: Es gibt keine Wasseradern und Erdstrahlen konnte man bis dato nicht nachweisen.

    Als nächstes trat dann Bernd Harder mit dem „Paranormal Quiz“ auf, welches ganz im Stile der Sendung „Wer wird Millionär“ abgehalten wurde. 5 Fragen mit je 4 Antwortmöglichkeiten, wobei jeder/jede mittels Handzeig für die vermeintlich richtige Antwort stimmen konnte. Ich kann mich leider nicht mehr an alle Antwortmöglichkeiten erinnern, aber die Fragen und richtigen Antworten habe ich noch im Kopf

  • Welche Stadt bildet die Westspitze des Bermudadreiecks? (Miami)
  • Wie hoch ist der Geldpreis, den James Randijedem und jeder anbietet, welche unter wissenschaftlich kontrollierten Bedingungen paranormale Fähigkeiten nachweisen kann? (1.000.000$)
  • Welcher berühmte Kriminalschriftsteller hielt diesesFeen Foto für unzweifelhaft echt? (Sir Conan Doyle)
  • Was ist der „Mars“ Effekt? (Eine angeblich statistisch signifikante Korrelation zwischen der Position des Mars und dem beruflichen Erfolg von Spitzensportlern.)
  • Was ist kein Grundstoff für Homöopathen? (Die Antwortmöglichkeiten waren: Hundekot, Berliner Mauer, Milzbrand und ein 4. Stoff, an den ich mich nicht erinnere. Schlussendlich stellte sich dies als eine Fangfrage heraus, da eben alle 4 Stoffe in der Homöopathie ihre Anwendung finden).

    Nach der Pause trat Wolfgang Hund („Hundini“) mit seiner Experimentalshow „Ist es Wissenschaft oder Zauberei?“ auf. Die Zaubershow war ganz nett und unterhaltsam (ich erspare mir hier die diversen Tricks aufzuzählen). Was ich mir von seiner Vorstellung mitnehme ist der Spruch: „Alles ist schon mal gesagt worden, aber weil niemand zuhört, muss man es immer wieder sagen“. V.a. wenn man das Gefühl hat, man bringt immer wieder dieselben Argumente und verwickelt sich immer wieder in dieselben Diskussion, kann er ziemlich nützlich und beruhigend sein 🙂

    Nach der Zaubershow gingen wir dann über zur Verleihung des „goldenen Bretts“, welche auch im Internet als Livestream verfolgt werden konnte. Dies stellte sich als wahres Zuckerl des Abends heraus, denn es kam zu überraschenden Wendungen während der Preisvergabe:

    Zunächst erwähne ich noch mal kurz alle 3 Finalisten, welche aus allen 482 eingegangenen Nominierungen ausgewählt wurden:

  • Claudia von Werlhof: sie suggerierte, die USA könnten mittels der Sendeanlage HAARP gezielt Erdbeben auslösen (Haiti)
  • Mario Max Prinz zu Schaumburg-Lippe: vertreibt über AstroTV ein Zauberelixier namens „Reichtumselixier“ für 99.95€.
  • Peter-Arthur Straubinger: seine Pseudodokumentation über Lichtnahrung verhalfen ihm zu dieser zweifelhaften Ehre.

    Während Claudia von Werlhof eine sehr abstruses und belangloses Wischi-Waschi als Stellungnahme geschickt hat, hat Mario Max Prinz zu Schaumburg-Lippe überraschenderweiße ein Video mit einer persönlichen Nachricht eingesendet (welches ich noch versuche ausfindig zu machen). Aber es kommt noch besser, nach der Laudatio traten nämlich sehr überraschend die Eltern von Mario Max Prinz zu Schaumburg-Lippe auf, die extra aus Thüringen angereist waren und sich sogar den gesamten 1. Tag der GWUP Konferenz angehört haben. Ich konnte meinen Unterkiefer vor Staunen gar nicht mehr schließen. In der kurzen Gegenrede, gehalten von der Mutter von Max, hat sie zunächst mal alle Preise aufgezählt, welche der werte Sohn schon gesammelt hat (darunter die „Krone“ der KronenZeitung, einen Tanzpreis, und noch sehr viele mehr, die alle in irgendeinem Schrank verstauben). Sie argumentierte weiters, dass wir in einer Demokratie leben, und sich wohl jeder kaufen könne, was er oder sie wolle. Schließlich und endlich überreichte sie uns auch ein Geschenk, nämlich eine Klobrille mit den Worten: „Es gibt einen Ort, wo alle Menschen gleich sind.“

    „Gewinner“ des goldenen Bretts war übrigens P.A. Straubinger, welcher dann auch eine, zugegebenermaßen sportliche und meist stimmige, Dankesrede hielt. Er habe „Am Anfang war das Licht“ gemacht, um Menschen zu bewegen. Wie die sich dann bewegen, konnte er ja vorher nicht wissen. Er erwähnt auch ausdrücklich, dass er Diskussionen liebt und insofern findet er diesen Preis sehr wichtig, da er die Meinung der Antagonisten symbolisiert.
    Zusätzlich bedankte er sich bei der GWUP und GkD, da diese den Film noch mehr gepusht und quasi kostenfreie Werbung gemacht haben. Sein Film sei der international erfolgreichste österreichische Film im Jahr 2010 (wieviele gab es in diesem Zeitraum?).
    Er stellte außerdem klar, dass sich der Regisseur (also er) bei diesem Film keineswegs bereichert hat, denn die Einnahmen aus dem Film gehen an den Produzenten und die Filmförderung. Er wollte mit diesem Film das materialistische Welt- bzw. Glaubensbild hinterfragen, welchem v.a. die GWUP und die GkD ja angehören.
    Gut gekontert hat P.A. allemal, wenn er sagt: „Wer Preise vergibt, muss die Dankesrede ertragen“.

    Ulrich Berger im Gespräch mit P.A. Straubinger

    Damit beende ich die Zusammenfassung des 1. Tags der Konferenz. Ich habe leider den Experimenten mit dem Handy mit Prof. Dr. Ernst Bonek und Gilbert Hangel nicht beiwohnen können. Vielleicht kann ja einer der anderen Teilnehmer und Leser dieses Blogs darüber berichten.
    Bis morgen 🙂

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